Priv.-Doz. Dr. Dr. Othman Al-Sawaf ist Ende April in München mit dem Forschungspreis der Walter-Schulz-Stiftung ausgezeichnet worden. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird jährlich an herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie verliehen, deren Arbeiten einen konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten versprechen.
Dr. Al-Sawaf beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), der häufigsten Form von Leukämie bei Erwachsenen, sowie mit der Richter-Transformation (RT), einer seltenen und aggressiven Verlaufsform der Erkrankung. Als Mitglied der Deutschen CLL Studiengruppe hat er in zahlreichen prospektiven und retrospektiven Studien maßgeblich zur Etablierung moderner, zielgerichteter Therapien beigetragen.
Der Walter-Schulz-Preis würdigt insbesondere die im New England Journal of Medicine publizierte internationale Phase-III-Studie CLL17, in der erstmals im direkten Vergleich geprüft wurde, ob zeitlich begrenzte, chemotherapiefreie Kombinationstherapien einer kontinuierlichen Behandlung mit einem BTK-Inhibitor ebenbürtig sind. 909 bislang unbehandelte Patienten wurden dafür randomisiert mit einer zeitlich begrenzter Kombinationstherapie aus Venetoclax und Obinutuzumab oder Venetoclax und Ibrutinib, oder mit einer kontinuierlichen Ibrutinib-Monotherapie behandelt.
Die Ergebnisse zeigten ein vergleichbares progressionsfreies Überleben in allen drei Studienarmen. Damit zeigte die CLL17 erstmalig, dass die meisten Patienten mit nicht-vorbehandelter CLL zeitlich begrenzt behandelt werden können.
Neben der klinischen Forschung verfolgt Dr. Al-Sawaf gemeinsam mit einem interdisziplinären Team umfangreiche translationale Forschungsprojekte zur molekularen Charakterisierung der CLL. Diese Vorhaben werden unter anderem durch das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. „Unser Ziel ist es, die individuellen biologischen Merkmale der Erkrankung besser zu verstehen und daraus präzisere, personalisierte Therapien abzuleiten“, erklärt Dr. Al-Sawaf.
„Die Auszeichnung mit dem Forschungspreis der Walter-Schulz-Stiftung ist eine besondere Anerkennung für unseren Anspruch, die CLL besser zu charakterisieren und die Behandlung von Patientinnen und Patienten konsequent weiter zu verbessern.“
Der Forschungspreis der Walter-Schulz-Stiftung wird jährlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler unter 40 Jahren vergeben, deren Arbeiten einen bedeutenden Beitrag zur klinisch-orientierten Krebsforschung leisten. Voraussetzung ist die Publikation der prämierten Forschungsarbeit in einer international anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschrift.
Die Walter-Schulz-Stiftung wurde 1980 von der Münchner Verlegerin Erna Schulz zum Gedenken an ihren Ehemann Walter Schulz gegründet und fördert seither die medizinische Forschung mit einem besonderen Schwerpunkt in der Onkologie.