DCLLSG auf dem EHA 2026 in Stockholm

Vom 11. bis 14. Juni 2026 fand der 31. Kongress der European Hematology Association (EHA) in Stockholm, Schweden sowie als virtuelle Veranstaltung statt.

EHA 2026 IN STOCKHOLM

Vom 11. bis 14. Juni 2026 fand der 31. Kongress der European Hematology Association (EHA) in Stockholm, Schweden sowie als virtuelle Veranstaltung statt.
Der EHA-Kongress zählt zu den bedeutendsten internationalen Veranstaltungen der Hämatologie und bietet jährlich eine Plattform für den Austausch aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, innovativer Therapie­ansätze und zukunftsweisender Forschung.

Auch die Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG) war in diesem Jahr mit zahl­reichen wissenschaftlichen Beiträgen vertreten und beteiligte sich aktiv an den Diskussionen zur Weiter­entwicklung der Diagnostik und Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Im Mittelpunkt standen aktuelle Studienergebnisse, neue Behand­lungs­strategien sowie die Frage, wie sich zielgerichtete Therapien künftig noch individueller und effektiver einsetzen lassen.

 

DCLLSG-HIGHLIGHTS AUS DEM
KONGRESS-PROGRAMM

Dr. Kirsten Fischer präsentierte im Rahmen der Session Prognos­tication and first line therapy in CLL (Abstract Nr. S146) die finalen Ergebnisse der randomisierten CLL14-Studie, die den langfristigen Stellenwert der zeitlich begrenzten Kombinations­therapie aus Venetoclax und Obinutuzumab in der Erstlinienbehandlung bestätigten.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 110,1 Monaten (> 9 Jahren) war das mediane Gesamtüberleben im Venetoclax-Obinutuzumab-Arm weiterhin nicht erreicht. Die 9-Jahres-Gesamt­überlebensrate betrug 59,3 % gegenüber 51,1 % im Vergleichsarm.

Die finalen Daten bestätigen damit den die anhaltende Langzeit­wirksamkeit dieses zeitlich begrenzten Therapie­konzeptes für zuvor unbehandelte Patientinnen und Patienten mit CLL, mit einem medianen progressionsfreien Überleben von > 6 Jahren und einer Time to Next Treatment von 8 Jahren.

Im Rahmen ihres Vortrags gab Dr. Fischer zudem einen Ausblick auf die neue internationale CLL2000-Studie, die die Langzeitverläufe und Therapiesequenzen nach modernen Erstlinientherapien prospektiv untersucht und damit eine wichtige Grundlage für zukünftige Therapieentscheidungen schaffen soll.
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Ebenfalls im wissenschaftlichen Vortragsprogramm präsentierte Dr. Eugen Tausch in der gleichen Session eine Analyse zu Biomarkern in der GAIA/CLL13-Studie (Abstract Nr. S149), basierend auf den finalen Daten nach 5 Jahren Beobachtungszeit.

Im Fokus standen neben etablierten genetischen Risiko­faktoren auch bestimmte Mutationen in CLL-Zellen und ihre Auswirkung auf den Therapieerfolg. Dabei konnten einige Marker identifiziert werden, die auch unter Venetoclax auf einen ungünstigen Krankheitsverlauf hindeuten.

Ein weiterer wichtiger Untersuchungspunkt betraf das Rezidiv nach zeitlich begrenzten Venetoclax-Kombinations­therapien: Hier zeigte sich, dass nur etwa 1 % aller Patientinnen und Patienten Resistenzmutationen gegen Venetoclax entwickeln – die Grundlage dafür, dass eine erneuter Therapieversuch mit Venetoclax erfolgs­ver­sprechend sein kann. Auch neue Hochrisikomerkmale wie TP53-Mutationen oder die Deletion 17p traten nach Venetoclax nur äußerst selten neu auf – ganz im Gegenteil zur Chemoimmun­therapie.

Die Ergebnisse tragen dazu bei, Patientinnen und Patienten künftig noch gezielter anhand ihres genetischen Risikoprofils für unter­schiedliche Therapieansätze zu stratifizieren und unterstreichen die wachsende Bedeutung molekularer Biomarker für die indivi­duali­sierte CLL-Therapie.

Auch im Poster-Programm war die DCLLSG mit einer Vielzahl aktueller Forschungs­arbeiten vertreten. Die präsentierten Poster spiegelten die thematische Breite der Studiengruppe wider und reichten von Langzeitanalysen großer klinischer Studien über translationale Fragestellungen bis hin zu gepoolten Analysen klinischer Studien und Real-World-Daten.
Im Fokus standen sowohl die Wirksamkeit und Sicherheit moderner zielgerichteter Therapien als auch prognostische Biomarker und patientenbezogene Einflussfaktoren auf den Therapieerfolg.


Zu den präsentierten Postern gehörten:

(alle Abstracts als PDF zum Download verfügbar).

Second primary malignancies in patients with chronic lymphocytic leukemia treated with targeted therapies in three phase-III trials of the German CLL Study Group
(E. Goergen et al.)

Abstract Nr. PF591
 

Acalabrutinib treatment achieves durable responses and quality of life improvements in older (≥80y) and/or frail patien ts with CLL – final analysis of the CLL-FRAIL trial
(F. Simon et al.)

Abstract Nr. PS1695
 

Cardiovascular toxicity of contemporary first-line CLL treatment regimens: a pooled analysis of the German CLL Study Group
(F. Simon et al.)

Abstract Nr. PS1705
 

Impact of sex on efficacy, tolerability and patient-reported outcomes in first-line therapy for chronic lymphocytic leukemia: results from the CLL13/GAIA study
(J. von Tresckow et al.)

Abstract Nr. PF596
 

Feasibility and safety of venetoclax–obinutuzumab in fit and unfit chronic lymphocytic leukemia patients: comparison of CLL13 and CLL14 pooled analysis with an Italian clinical practice cohort
(A. Zappaterra et al.)

Abstract Nr. PF607 

KONGRESSBERICHTE & PRÄSENTATIONEN ZUM NACHLESEN

Auch in diesem Jahr berichtete das Kompetenznetz Maligne Lymphome e. V. (KML) bereits zum neunten Mal vom EHA-Kongress.

Expertinnen und Experten fassen die wichtigsten wissenschaft­lichen Entwicklungen zu verschiedenen Lympho­mentitäten zusammen – darunter CLL, Multiples Myelom, Hodgkin-Lymphom, diffus großzelliges B-Zell-Lym­phom, Mantelzell-Lymphom, follikuläres Lymphom, Morbus Waldenström, Marginal­zonen­lymphom und ZNS-Lymphome.

Die Kongressberichte bieten Ärztinnen und Ärzten sowie Betroffenen einen kompakten Überblick über die wichtigsten Studien und neuen Erkenntnisse des EHA2026. Besonders für die CLL berichtet Prof. Dr. Barbara Eichhorst über die aus ihrer Sicht relevantesten Highlights.

Wir laden Sie herzlich ein, die aktuellen Kongressberichte des KML zu verfolgen und sich über die neuesten Entwicklungen in der Lymphomforschung zu informieren: lymphome.de/kongresse/detail/eha2026

 

AUSBLICK UND DANK

Die starke Präsenz der DCLLSG auf dem EHA 2026 unterstreicht einmal mehr den wichtigen Beitrag der Studiengruppe zur internationalen CLL-Forschung.

Der intensive wissenschaftliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt bot zahlreiche Impulse für zukünftige Forschungsprojekte und die Weiterentwicklung der Patienten­versorgung.